Information der VR-Banken über Hagelschäden
Etwa 100 betroffene Hagelgeschädigte aus dem Raum zwischen Gleiszellen- Gleishorbach und Landau-Wollmesheim waren am vergangenen Donnerstag in die Kaiserberghalle nach Göcklingen gekommen, um sich in der „Hagel – Info“ - einer Informationsveranstaltung zum Hagelschaden am 9. auf den 10. Juni zu informieren. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, die VR-Banken Südliche Weinstraße eG, die VR- Bank Südpfalz eG und die Raiffeisenwarengesellschaft Südpfalz hatten dazu eingeladen. Sie wollten nach dem Genossenschaftsgedanken ihre Mitglieder nicht im Regen (Hagel) stehen lassen und ihnen spontane Hilfen zur Schadensbegrenzung anbieten.
Vorstandsmitglied Markus Laux von der VR-Bank SÜW, der die Idee einbrachte und sein Kollege Christof Ochs von der VR-Bank Südpfalz moderierten den Abend. Dr. Jürgen Oberhofer vom DSL in Neustadt ging in seinem Referat auf die Klimaveränderungen ein und verknüpfte damit die Frage, ob ein solches Ereignis einmalig oder künftig mit wiederholenden Vorgängen – was er befürchtete – zu rechnen sei.
Hagelversicherungen sagte er unmissverständlich, seien keine Geldanlagen, sondern eine Reduzierung des Berufsrisikos. Mehrere Faktoren wie zum Beispiel eine Grundsicherung, die Vorleistungen, die ein Betrieb zu erbringen hat, der finanzielle Eigenanteil und die Art der Vermarktung – Fassweinerzeuger oder Selbstvermarkter – sind gegeneinander abzuwägen. Hagelversicherungen sind besonders wichtig für Betriebe mit angespannter Finanzlage, hoher Fremdkapitalquote, geringer Gewinnrate, hoher Verlustquote, hohem Pachtanteil und großem Umsatz. Mit anschaulichen Beispielen aus der Versicherungsbranche konnte er seine Berufskollegen überzeugen. Als Alternativen außer einer Hagelversicherung zur Minimierung des Risikos erwähnte er die Minimalschnitterziehung, die arbeitsextensiver ist als die Bogenerziehung und die hauptsächlich am Bodensee eingesetzten Hagelschutznetze. Diese bieten einen wirksamen Schutz, kosten aber 14 000.-- bis 20 000.-- EURO je ha, sind also ökonomisch zu teuer. Auch ging er auf die Hagelflieger ein, die mit einer Silberjodid-Acetonlösung, die Größe der Hagelkörner reduzieren, so dass diese als Graupel niedergehen und dadurch die Schäden geringer ausfallen. Der Erfolg dieser Methode liegt bei etwa 50 %. Die Finanzierung für 2 erforderliche Flugzeuge beträgt pro Jahr 300 000.-- EURO, die mittels Umlage und öffentlichen Mitteln aufzubringen wäre.
Der Vorsitzende des Bauern-und Winzerverbandes Kreis SÜW, Reinhold Hörner berichtete über unbürokratische Hilfen insbesondere bei der Beschäftigung von Saisonarbeitskräften und bei Bürgschaftsübernahmen. Die getroffene Regelung müsse künftig auch witterungsunabhängig beibehalten werden. Er appellierte an seine Berufskollegen, eine Hagelversicherung zur Minderung des Risikos abzuschließen.
Werner Lenz, Leiter der Firmenkundenbetreuung der VR-Bank zeigte die finanziellen Hilfen seines Instituts auf. Wichtig sei vor allem die individuelle Beratung der einzelnen Betriebe. Zur Schließung von Liquiditätslücken nannte er als Möglichkeiten die Veränderung von Zahlungsterminen, Ausnutzung von Zahlungszielen, Steuerstundungen und Anpassung der Vorauszahlungen, befristete Tilgungsaussetzungen, Tilgungszuschussdarlehen und unverzügliche Rechnungsstellung. Mitglieder der VR-Banken können darüber hinaus aus dem Sonderprogramm „Hagelsoforthilfe“ zinsverbilligte Neukredite beantragen. Dies gelte nur für Betriebe, die ihren Sitz im Hagelkerngebiet haben oder deren Weinbergsfläche mit mindestens 50% im Hagelkerngebiet liegt.
Steuerberater Rudi Werner erläuterte die steuerliche Situation nach dem Hagelschlag und hob die steuerlichen Erleichterungen hervor. Stundung, Herabsetzung der Vorauszahlung, Verzicht auf Stundungszinsen, Grundsteuerteilerlass, Aufschub von Beiträgen z.B. an die Berufsgenossenschaft, Alterskasse oder Krankenkasse seien einige Ansätze, die Liquidität von Betrieben kurzfristig zu verbessern. Auch der steuerliche Vorteil einer Hagelversicherungsprämie, zu der ein staatlicher Zuschuss von 50.-- EURO je ha gewährt wird, sollten die Betriebe nutzen. Alle diese Anregungen seien nur unbürokratisch durchführbar. Deshalb sei es wichtig, mit den Verantwortlichen in Politik und Verbänden die Situation darzustellen. Frühzeitig Hilfe suchen und in Anspruch nehmen ist derzeit das erste Gebot der Hagelgeschädigten.
Die Ausführungen wurden mit viel Beifall quittiert, ein Zeichen dafür, dass die Veranstaltung für alle Beteiligten erfolgreich war.
pkl
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