Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Erinnerungen von Hermann Frech

Bekleckert! Was nun?

"Albert und Hermann, ihr geht jetzt nach Leinsweiler zum Bürgermeister und holt dort eine Tafel ab", sagte der Lehrer Zwicky, als wir morgens den Schulsaal betreten hatten.Nichts lieber als das! Wir waren beide 10 Jahre alt und in der fünften Klasse.

Also machten wir uns auf den Weg, dem Krottenbach entlang zunächst in Richtung Eschbach. Da war ein Leben! Hunderte von Arbeitern waren dabei im Rahmen des Westwalls die Höckerlinie zu bauen. Da wurde ausgegraben, eingeschalt, betoniert, alles von Hand. Nirgends sah man einen Bagger oder Kran. Immer wieder blieben wir stehen und schauten zu.

In Leinsweiler nahmen wir dann die Tafel in Empfang. Sie war nicht schwer. War wohl aus Kunststoff und etwas mehr, als einen halben Quadratmeter groß. Eingepackt war sie in hellbraunem Packpapier. Also zogen wir mit ihr heimwärts.

Nach Eschbach, vor uns sah man schon Göcklingen, sagte Albert plötzlich: "Hermann ich muss austreten" Nun ja, so weit, so gut. Aber überall wimmelte es von Arbeitern und, warum auch immer, Albert schämte sich, so blank hinzusetzen. "Albert", sagte ich, "setz  dich ruhig. Ich heb' die Dafel henner dich".

Gesagt, getan. Albert verrichtete sein Geschäft. Aber, o Schreck, Albert hatte Durchfall und einige Spritzer landeten auf der Verpackung der Tafel.

Wir waren ratlos. Mit Gras versuchten wir das Ganze abzuwischen, vergebens, ja wir machten die Flecken noch größer".

Einer von uns hatte die rettende Idee: Wir reißen die ganze Verpackung weg. Sollte Herr Zwicky fragen, ob die Tafel nicht verpackt war, lügen wir und sagen nein.

Hervor kam eine schwarze Tafel. Oben war ein stilisierter Adler mit Schwingen. In seinen Krallen hatte er einen Eichenkranz, in dessen Mitte befand sich ein Hakenkreuz. Darunter stand: "HIER SPRICHT DIE NSDAP" d.h. die "Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei", also die Partei Hitlers.

Am nächsten Tag hing die Tafel unten im Gang des Schulhauses. Jeder, der in das Gemeindebüro wollte, musste daran vorbei. Und wie die Partei auf der Tafel sprach! Jede Woche waren andere Hetzparolen und Blätter zu sehen, die in übelster Weise die Juden beschimpften. Schrecklich! Bis heute sehe ich manche Darstellungen von damals vor meinem geistigen Auge und werde sie nur schwer los.

pkl

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