Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Das Alter - Summe der Lebensjahre oder mehr?

Die meisten Menschen wollen ein "hohes Alter" erreichen, wobei der Begriff nicht eindeutig definiert wird.  Bei einhundert Lebensjahren spricht man guten Gewissens von einem biblischen Alter. Lebensumstände, Medizin, Gesundheitsvorsorge und weitere Faktoren führen  erfreulicherweise zu einem immer höheren Lebensalter.

Allein in den letzten neun Jahren wurden in unserem beschaulichen Weinort Göcklingen drei Personen einhundert Jahre alt. Ob dies an der guten Luft oder am harmonischen Zusammenleben der Einwohner liegt, ist nicht näher untersucht. Familienstand und Geschlecht scheinen nicht ursächlich für ihr Alter verantwortlich zu sein; denn unter ihnen befinden sich zwei Witwen und ein verheirateter Mann.

Die "Jüngste" unter den 100-jährigen ist Katharina Eck geb. Klundt. Am 18. April d. J. wurde sie 100 Jahre alt. Geboren ist sie in Ingenheim, als Tochter der Eheleute Eugen und Anna Klundt. In der Zeit des zweiten Weltkrieges musste sie in dem landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern mithelfen, da ihre beiden Brüder im Krieg waren. Ihr jüngerer Bruder fiel als Soldat an der Ostfront, der ältere kehrte mit einer schweren Beinverletzung aus dem Krieg zurück.

Im August 1959 heiratete Katharina den Göcklinger Land-und Gastwirt Otto Eck und wurde für 40 Jahre die bekannte "Kronewirtskätche". Mit dem Kochlöffel konnte sie genau so gut umgehen wie mit dem Eicher-Traktor, den sie noch mit 87 Jahren steuerte. Sie ist Mutter von zwei Söhnen, Oma von vier Enkeln und einem Urenkelkind. Geistig rege verfolgt sie noch das Tagesgeschehen in den Medien, ist optimistisch wie in ihrem ganzen Leben und nimmt es weiter so an, wie es kommt.

Walter Hundt wurde am 21. Dezember 1914 in Groß-Trensen in Ostpreußen geboren. Er war Soldat in Polen und später in Italien, wo er eine Kriegsverletzung erlitt. Im Lazarett lernte er die Krankenschwester Anneliese Huber aus Annweiler, die seine erste Frau wurde, kennen. So kam Walter Hundt in die Pfalz. Sein Glück war nur von kurzer Dauer; denn seine Frau starb 1972. Im Jahr 1978 heiratete er die Göcklinger Witwe Gisela Nuß und verbrachte mit ihr einen glücklichen Lebensabend. In geistiger und körperlicher Frische feierte er am 21. Dezember 2014 seinen 100. Geburtstag. Mit 95 Jahren bewirtschaftete er noch seinen eigenen Garten.

Als hätte er nur auf seinen großen Tag gewartet, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand im Frühjahr 2015 zusehends. Am 3. Juli 2015 gab er seine Seele in die Hände seines Schöpfers zurück, dem er 30 Jahre als Presbyter diente, was seine christliche Gesinnung unterstrich.

Katharina Thibaut geb. Heider ist am 16. Februar 1912 in Göcklingen geboren, hier aufgewachsen und lebte bis zu ihrem Tod am 17.September 2012 in ihrer Heimatgemeinde. Zusammen mit zwei Brüdern und drei Schwestern stammte sie aus bescheidenen Verhältnissen, erlebte zwei Weltkriege und stand bis zu ihrem Tod in der Verantwortung. 1937 erlernte sie den Beruf der Krankenschwester und übte ihn bis 1974, zuletzt als Dienststellenleiterin des Pfalzklinikums aus. 1940 heiratete sie den Landauer Karl Jakob Thibaut. Aus der Ehe ging der Sohn Horst hervor, der jedoch seinen vermissten Vater niemals kennen lernte. Die Ungewissheit über den Verbleib ihres Mannes war für die allein erziehende Mutter ein harter Schicksalsschlag, der ihr weiteres Leben prägte. Resolut, kämpferisch und energisch waren die Attribute ihres Lebens, das sie auf ihre eigene Art meisterte. Noch mit 95 Jahren setzte sie sich selbst ans Autosteuer, nachdem sie die Fahrerlaubnis erst in der zweiten Lebenshälfte erworben hatte. Ihre Selbständigkeit bewahrte sie sich bis an ihr Lebensende und ließ sich nur ausnahmsweise von Bekannten helfen.

Die vierte im Bunde der 100-jährigen oder älteren Göcklingern war Frau Maria Dillmann, die als Ordensschwester bei den "Armen Franziskanerinnen von Mallersdorf" den Namen "Schwester Maria Vestina" erhielt. Sie war die älteste von drei  leiblichen Schwestern und wurde am 21. April 1879 in Göcklingen geboren. Mit 21 Jahren folgte sie dem Ruf ihres Herzens und trat  in den genannten Orden ein. In Hemau in der Oberpfalz leitete sie 32 Jahre lang als Oberin ein Waisen-Kinderheim mit bis zu 120 Kindern. So lange sie noch reisen konnte, verbrachte sie ihren Heimaturlaub an der Südlichen Weinstraße. "Göcklingen ist doch meine Heimat" gestand sie ihren Verwandten. Zu ihrem 100. Geburtstag wurde sie zur Ehrenbürgerin der Stadt Hemau ernannt. Auf die Frage, was sie so lange fit hält, antwortete sie ohne zu zögern: "Die Kraft von oben und der Pfälzer Wein!"

Am 2. September 1981 starb Schwester Maria Vestina. Mit 102 Jahren und fünf Monaten ging sie in Gottes ewigen Frieden ein.

Der Vollständigkeit halber ist noch folgende Ergänzung nachzutragen: Bei Nachforschungen für sein Buch über Göcklingen stieß Pfarrer Dr. Schirmer auf eine Totenliste. Danach starb am 15. November 1710 der Göcklinger Witwer Heinrich Kern, 100 Jahre alt. Dieses hohe Alter war damals eine äußerste Seltenheit; denn das Durchschnittsalter von 100 Personen, die zwischen 1704 und 1738 starben, lag gerade bei 34,4 Jahren.

pkl

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