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Winterruhe - gibt es die noch?

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Unsere Bilder (alle aufgenommen am 3. Januar 2022) zeigen die ersten blühenden Vorfrühlingsboten.

Gemeint ist die gärtnerische Winterruhe der Pflanzen vom Blattfall im Herbst bis zum Austrieb  im nächsten Frühjahr und deren Bearbeitung durch den Menschen. Während die zoologische Winterruhe (z.B. Winterschlaf von Tieren) größtenteils unverändert geblieben ist, hat sich im Pflanzenbereich  Klima bedingt im Laufe von Jahrzehnten eine sichtbare Änderung vollzogen. Lange, schneereiche und kalte Winter, von November bis März ermöglichten früher  kaum eine Außenbearbeitung während dieser Zeit. Außerdem arbeitete damals noch ein Großteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft, so dass die Winterruhe stärker als heute im Fokus stand. Exemplarisch für besonders harte Winter sind die Jahre 1928/29, als der Rhein zugefroren war, die Jahre 1946/47 und das Jahr 1962/63 zu erwähnen, als letztmals der Bodensee zugefroren war.  Einem alten religiösen Brauch zufolge wurde eine Statue des heiligen Johannes über den zugefrorenen See vom schweizerischen Münsterlingen nach Hagnau  mittels Prozession getragen und bei der nächsten Möglichkeit auf dem gleichen Weg wieder zurück gebracht. Dies geschah letztmals am 6. Februar 1963 von Hagnau nach Münsterlingen.

In den letzten Jahren kamen sogar die Eiswein erzeugenden Winzer in Bedrängnis, weil die Temperatur kaum unter minus 9° Celsius fiel. Längere Frostperioden mit unter Minus 15° Celsius gab es schon Jahrzehnte nicht  mehr. Auch wenn die Pflanzen einen Kälteschock benötigen, haben sie sich im Wachstum und Austrieb den milden Temperaturen angepasst. So blühen noch Edelrosen am Strauch, Bellis  blüht immer noch, der  Rosmarinstrauch setzt zur Blüte an,  bei der Hamamelis (Zaubernuss) ist schon die Blüte erkennbar und letztlich strecken schon die Schneeglöckchen und das Alpenveilchen (Cyclamen coum) ihre Blüten an die Oberfläche.

Der Rebschnitt, der früher erst Ende Februar begann, ist zu diesem Zeitpunkt schon fast abgeschlossen und sogar die Reben teilweise angebunden. Die Weiden, mit denen die Reben gebunden wurden, sind längst ersetzt durch Kunststoff und Drahtschlingen. Schließlich müssen die Helfer aus meist osteuropäischen EU-Ländern effektiv eingesetzt werden. Insofern bleibt von der  Winterruhe für die Menschen nicht mehr viel übrig. Da sich die Natur jedoch "nicht ins Handwerk pfuschen lässt" wird sie es schon richten. Wir erfreuen uns an den angenehmen und positiven Dingen und nehmen die die negativen Seiten des Lebens - weil uns nichts anderes übrig bleibt -  in Kauf.

pkl

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